Darf es auch ein bisschen mehr sein?  

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Zu Beginn des 3. Quartals 2022 ist der WGM-Geschäftsklimaindex zurückgegangen, mit aktuell 99,4 Punkten verliert der Index gegenüber dem Vorquartal 7,4 Punkte.

Der Geschäftsklimaindex WGM Wirtschaftsverband Großhandel Metallhalbzeug, Berlin, des setzt sich aus der Bewertung der Geschäftslage und den Geschäftserwartungen der Mitglieder zusammen. Beide Parameter haben sich verschlechtert und zwar in beiden WGM-relevanten Geschäftsbereichen, also Bearbeitung und Handel mit Erzeugnissen aus Aluminium- und Kupferlegierungen.

Belastungsfaktoren gibt es seit 2020 immer neue: Waren es zunächst die Covid-Pandemie, kamen Lieferengpässen, der Krieg in der Ukraine, eine steigende Inflation und schließlich Sorgen um die Gasversorgung hinzu. Alles zusammen ist eine hohe Belastung für die Wirtschaft, die darüber hinaus auch dem Klimawandel begegnen muss.

Die deutsche Wirtschaft insgesamt steht in diesem Setting enorm unter Druck: Im Baseline-Szenario wird die Gas-Krise – auch ohne umfassende Kürzungen – und begünstigt von der schwachen Performance der US-Wirtschaft, zu moderaten BIP-Rückgängen in den kommenden Quartalen führen. Nach einer Expansion um 1,25 % im Jahr 2022 dürfte das deutsche BIP 2023 um rund 1 % schrumpfen. Kommt es zu einem totalen Stopp russischer Gaslieferungen könnte das BIP 2023 um 5 – 6 % einbrechen. Trotz der temporären Entlastungsmaßnahmen der Regierung bleibt die Inflationsdynamik grundsätzlich hoch. Deutsche Bank Research hat die Prognosen für die Jahresdurchschnittliche Verbraucherpreisinflation auf 8 % für 2022 und 6 % für 2023 angehoben.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland ist insbesondere von zwei Extremen geprägt: Einem Auftragsbestand auf Rekordniveau auf der einen Seite und gravierenden Engpässen bei Vorleistungsgütern auf der anderen Seite. Für 2022 erwartet Deutsche Bank Research einen Rückgang der Industrieproduktion um 1 % und eine Stagnation im Jahr 2023. Damit wird das Produktionsniveau im Verarbeitenden Gewerbe weiterhin fast 10 % unter dem Höchststand von 2018 liegen. Die Gas-Krise und der Wechsel von relativ günstigem russischem Pipeline-Gas auf das teurere LNG könnte aus nach Auffassung von Deutsche Bank Research einen Strukturwandel für das exportorientierte deutsche Geschäftsmodell auslösen.

Geschäftslage Aluminiumhalbzeug

Die Geschäftslage im Handel mit Aluminiumhalbzeug wird im neuen Quartal überwiegend negativ bewertet. Aktuell nur noch 4 % der befragten Händler - gegenüber 19 % im letzten Berichtszeitraum - melden eine Verbesserung ihrer Lage, während die überwiegende Mehrheit von 64 % eine konjunkturelle Verschlechterung festgestellt haben. Eine satte Zunahme um 52 Prozentpunkte. 32 % der Befragten bewerten die Geschäftslage als unverändert gegenüber dem 2. Quartal. Dementsprechend sinkt auch der Lage-Index aktuell.

Geschäftserwartungen Aluminiumhalbzeug

Äußerst pessimistisch blicken die Aluminiumhalbzeug-Händler auf die konjunkturelle Entwicklung der kommenden drei Monate. Nunmehr 68 % der Befragten sind davon überzeugt, dass sich die wirtschaftliche Situation ihrer Unternehmen im Verlauf des 3. Quartals verschlechtern wird. Keiner der Händler rechnet mit einer Verbesserung der Geschäftslage im Prognosezeitraum. 32 % erwarten eine auf bestehendem Niveau stagnierende Konjunktur. Entsprechend des pessimistischen Saldos beschreibt der Index der Erwartungen weiterhin eine Abwärtsbewegung.

Aktuelle Lagerhaltung Aluminiumhalbzeug

Das Niveau der Lagerhaltung wird bei den Aluminiumhalbzeug-Händlern überwiegend als hoch bewertet. Damit setzt sich die Tendenz der vorigen Quartale fort. 77 % der Händler - gegenüber 40 % zu Beginn des 2. Quartals - melden einen hohen Lagerbestand, während keiner der Händler eine niedrige Vorratskapazität feststellt. Damit liegt der Saldo mehr als deutlich auf der Seite einer hohen Bevorratung. Noch 23 % der Befragten melden ein ausgeglichenes Lager. Der Index Lagerhaltung setzt seinen Aufwärtstrend erkennbar fort.

Trend-Lagerhaltung Aluminiumhalbzeug

Der Trend für die Lagerhaltung beim Aluminiumhalbzeug weist im Saldo äußerst deutlich in Richtung Vorratsabbau und bestätigt den Trend aus dem vorigen Quartal. Kein befragter Händler beabsichtigt sein Lager in den kommenden drei Monaten aufzustocken, während nunmehr sogar 77 % ihre Vorräte reduzieren wollen. Nur noch 23 % der Befragten planen mit einem Lagerbestand auf bestehendem Niveau für die kommenden drei Monate. Der Index Lagerhaltung fällt aktuell entsprechend des Saldos weiterhin.

Trend Einkaufspreis Aluminiumhalbzeug

Der 3-Monats-Trend für die Entwicklung des Einkaufspreises ist nunmehr abwärts gerichtet. Aktuell erwarten nur noch magere 9 % der Befragten - minus 45 Prozentpunkte gegenüber Vorquartal - in den kommenden drei Monaten weiter steigende Einkaufspreise, während 59 % - plus 44 Prozentpunkte gegenüber Vorquartal - mit fallenden Preisen kalkulieren. Ähnlich wie im zweiten Quartal erwarten 32 % der befragten Aluminiumhalbzeug-Händler hingegen stabile Preise im Einkauf während des 3. Quartals.

Trend-Verkaufspreis Aluminiumhalbzeug

Auch die Verkaufspreise tendieren zum Beginn des neuen Quartals nach unten. Ganz im Gegensatz zum  Vorquartal erwarten aktuell nur 5 % der Händler im Verlauf der kommenden drei Monate erneut anziehende Preise, während aktuell 77 % der Befragten  - gegenüber noch 27 % zu Beginn des 2. Quartals - im selben Zeitraum mit fallenden Preisen im Verkauf kalkulieren. 18 % der Unternehmen prognostizieren ein stabiles Preisniveau beim Verkauf von Aluminiumhalbzeug. Der Index Trend-Verkaufspreis setzt seinem Aufschwung ein Ende und fällt nunmehr deutlich ab.

Lage Verarbeiter Aluminiumhalbzeug

Die konjunkturelle Entwicklung der Verarbeiter von Aluminiumhalbzeug hat sich nach Einschätzung der befragten Händler in den letzten drei Monaten weiterhin deutlich abgekühlt. Nur noch 5 % der befragten Unternehmen beobachten eine Verbesserung der Geschäftslage ihrer Kunden, während aktuell 45 % – gegenüber 33 % im Vorquartal - eine konjunkturelle Abkühlung feststellten. 50 % der Händler gehen davon aus, dass die Konjunktur bei den Verarbeitern von Aluminiumhalbzeug auf dem Niveau des Vorquartals stagniert.

Erwartungen Verarbeiter Aluminiumhalbzeug

Deutlich pessimistisch beurteilen die befragten Aluminiumhalbzeug-Händler die konjunkturellen Aussichten ihrer Kunden in den kommenden drei Monaten. Keiner der Befragten rechnet mit einer Verbesserung der Geschäftslage der Verarbeiter im Verlauf des 3. Quartals, während annähernd zwei Drittel (64 %) mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation bei ihren Kunden rechnet. 36 % der Händler gehen davon aus, dass die Geschäftslage auf bestehendem Niveau stagniert.

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